Nächste Lesung

Datum Lesung Ort
9.3.19 http://kneipenlesung.de/index.php/lesung/artgerecht-im-kunstverein-paderborn-am-samstag-9-maerz-2019/ Kneipenlesung in

ARTgerecht

Kunstverein Paderborn e.V.
Zeit: 20:00. Eintritt: frei. Adresse: Westernstr. 7. Kontakt: (0 52 51) 683 52 81.
Kunstwerk, Art, Artgerechte Haltung, Künstler, Spezielle Bedürfnisse

Ankündigungstext

Abonnieren: RSS | iCal

Unentdeckte Bücherschätze

Immer wieder passiert es mir, daß ich auf der Suche nach Texten für die Kneipenlesung über Bücher und Geschichten stolpere die mich begeistern. Leider sind sie manchmal doch nicht so ganz zum Thema passend wie ich dachte oder einfach nicht so kürzbar das sie in das Lesungskonzept passen. Häufig passiert es mir, daß ich nach der Lesung einen Text finde der gut zum Thema gepasst hätte.

Inzwischen führe ich eine Liste dieser Bücher um sie vielleicht später noch mal bei
einem anderen Thema einzubringen.

Teilweise sind es Neuerscheinungen, teilweise einfach Bücher die ich gerade entdeckt habe und ganz bestimmt werde ich immer wieder meine Lieblingsautoren wie Irmgard Keun, Elizabeth von Arnim, Bill Bryson oder Sandra Dallas reinmogeln.

Hier werde ich in lockerer Folge meine Fundstücke vorstellen.

„Bienensterben“ Lisa O`Donnell

Einen starken Magen sollte man schon haben um einige Szenen zu überstehen. Trotzdem ist es keiner dieser Metzger-Krimis auch wenn die Rückseite des Einbands die Aufschrift trägt „Heute ist Weihnachten, Heute bin ich 15 Jahre geworden, Heute habe ich unsere Eltern im Garten begraben“.
Eine Reihenhaussiedlung im sozialen Brennpunkt von Glasgow, zwei Schwestern wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Zwei Schwestern die sich nerven und trotzdem aneinander hängen wie es nur Geschwister können.

Aufgewachsen mit zwei Erwachsenen deren Beitrag zur elterlichen Fürsorge aus psychischem und physischem Mißbrauch und einer gelegentlichen Pfundnote für eine Portion Pommes besteht.
Die ältere Schwester, Marnie, arbeitet beim Dealer des Vaters dessen Schulden ab, die jüngere, Nelly, kapselt sich ein in ihrer eigenen Welt die mit der Realität nichts zu tun hat.

Der wegen Kindesmißbrauch vorbestrafte Nachbar wird ihr Unterstützer der die Wahrheit ahnt.

Richtig kompliziert wird es als der Dealer misstrauisch wird und zusätzlich der Großvater mütterlicherseits auftaucht und beginnt Fragen zu stellen.
Spannend bis zur letzten Seite.

Ich scheitere am Scheitern – Heiter scheitern

Gestern Abend wollte ich kurz vor dem Abendessen nur schnell Brot und Tomaten kaufen. Es war unerwarteterweise auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums sehr voll, deshalb habe ich mein Auto kurzerhand auf einen freien Familienparkplatz geparkt.

Heute Morgen tut mir das leid und ich möchte demütig dafür etwas büßen. Gut, dass eine Freundin einen Babysitter für ihren Dreijährigen sucht – ich habe mich sofort gemeldet.

Auf dem Weg klingelt mein Telefon, dummerweise ist das Handy im Auto entkoppelt. An der nächsten roten Ampel werde ich die Verbindung wieder einrichten. Allerdings wird daraus nichts, denn trotz dichtem Samstagmorgen-Verkehr komme ich, ohne anzuhalten, über alle Kreuzungen bei Grün. Das Telefon klingelt munter zum dritten Mal.

Bei der Freundin angekommen, erfahre ich, dass sie versucht hat, mich zu erreichen, da die 15-jährige Nachbarin das Babysitten bereitwillig übernommen hat. Weil ich ja noch Buße tun muss, biete ich an, mit dem Kleinen zu spielen, er steht nämlich im Hausflur und trägt schwer an einer Kiste Memory. Die 15-Jährige versucht noch, mich abzuwimmeln, aber das lasse ich nicht zu, ich habe schließlich eine Aufgabe zu erledigen.

Es stellt sich raus, dass der Kleine noch nie Memory gespielt hat. Zuerst ist er intensiv mit dem Mischen und Auslegen der Karten beschäftigt. Ich werde ihn gewinnen lassen, das bin ich schuldig. Er deckt zwei Karten auf und wieder zu. Ich decke zwei Karten auf und erwische zufällig ein Pärchen. Er deckt zwei Karten auf, wieder nichts. Ich decke eine Karte auf, das Pendant dazu hatte er bereits aufgedeckt. Ich bewege meine Hand suchend ganz weit an den Rand des Spielfeldes, allerdings zu zögerlich, er tippt auf das zugedeckte Gegenstück und hilft mir so, zu gewinnen.

Mein Stapel wächst und wächst in ungewollte Höhen. Der Versuch, ihm einige Karten unterzuschieben, scheitert kläglich, nach der Aktion wacht er mit Argusaugen über die Stapel. Ich gewinne, er heult, die Babysitterin ist genervt, weil sie doch eigentlich in Ruhe ihre Vormittagsserie schauen wollte.

Ich beschließe, meinen Ablass einfach zu bezahlen und frage die beiden, ob sie Lust auf Burger und Softeis haben. Die Babysitterin findet das total uncool, da würden nur noch alte Leute hingehen, cooler sei ein Sandwich-Laden. Sie überzeugt den Dreijährigen schnell, wobei „überzeugen“ hier nicht die richtige Formulierung ist, der Dreijährige kennt nun das Wort „uncool“.

Samstagvormittag zum Fond-Court des  Einkaufszentrums, das ist nun wirklich Buße tun. Erstaunlicherweise ist ein Familienparkplatz frei, diesmal habe ich sogar Kinder im Auto, also Blinker rechts und „first and best fit“ geparkt, Rolltreppe hoch zum Sandwich-Laden. Nach anfänglichem Zögern ermuntere ich die Babysitterin so viel zu bestellen, wie sie mag, es darf schließlich was kosten, auch wird die Eismenge ausreichend für drei Mal Bauchschmerzen sein. Die Bestellung ist so umfangreich, dass sie uns an den Tisch gebracht wird. Wir finden einen runden Tisch mit vier Plätzen und legen den Buzzer in die Mitte.

Nach einigen Minuten fängt es bunt an zu leuchten und ein Kellner trägt ein Tablett in unsere Richtung. Dabei verfängt sich sein Fuß in den Trageriemen der rosafarbenen Handtasche der Babysitterin und der Kellner geht bäuchlings zu Boden. Das ganze Essen, Ketchup, Getränke und Eis verteilen sich unter unserem Tisch. Ich helfe dem Kellner auf, er entschuldigt sich vielmals, Angestellte eilen herbei und das Malheur ist schnell beseitigt. Der Buzzer leuchtet wieder und wir bekommen unser Essen mit dem Hinweis, dass das selbstverständlich aufs Haus geht und wir nichts bezahlen müssen.

Ich gebe mit meinem Bußverlangen für heute auf, das ist kein Tag zum Scheitern. Ich schnalle den Dreijährigen auf seinen Kindersitz und schließe die hintere Tür. Während ich einsteige, hält neben mir ein Kombi, dessen Fahrer mich lautstark beschimpft, dass das Parkplätze für Familien seien Ich antworte ihm gelassen: „Exakt!“

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern

Ich scheitere am Altern – Heiter scheitern

Der Volksmund, der ja so vieles besser und manchmal sogar gut zu benennen weiss, sagt ja man sei so alt wie man sich fühle.

Ich scheitere nicht nur daran mich selbst altersgemäß zu fühlen, sondern auch daran andere Menschen altersgerecht einzuordnen. Größe und Aussehen sind mir da keine wirkliche Hilfe. Ab 24 Monaten aufwärts bin ich aufs Nachfragen angewiesen und auch die Tatsache, daß Grundschulkinder ja gelegentlich noch mit dem Buggy bis zur Tür des Klassenzimmers gefahren werden, macht es für mich nicht einfacher.
Als Jugendliche war meine oberste Präferenz ,das Alter betreffend, endlich 18 zu werden. Ob mich jemand für älter oder jünger hielt, war mir egal und ausgesprochen unwichtig. Deshalb hat sich mir auch noch nie erschlossen warum manche Menschen beharrlich seit Jahren ihren 29. Geburtstag feiern. Das provoziert doch die Antwort „Echt? Du siehst aber viel älter aus”.

Irgendwie war ich immer zu beschäftigt um altersgerecht zu verzweifeln. Mit 30 war ich alleinerziehend mit einem Säugling und die Anzahl meiner Falten mein geringstes Problem.
Mit 40 hatte ich die Diagnose einer chronischen Krankheit und war wie wild damit beschäftigt irgendwie damit zurecht zu kommen und meine Existenz zu sichern.

Der fünfzigste Geburtstag barg keine Schrecken weil selbige Krankheit mir einen Mann beschert hat der mich sein junges Ding nennt weil ich ein halbes Jahr jünger bin als er. Nichts macht so alt wie der verzweifelte Versuch jünger zu wirken. Und nichts hält so jung wie einfach zu machen wozu man gerade Lust hat und was die Situation hergibt.

Wenn mein Schatz mit seinen 53 Jahren an keiner Mauer und keiner Einfassung vorbei kann ohne darauf zu balancieren macht ihn das in meinen Augen sehr viel jugendlicher als einen 40 jährigen der sein Bike in den SUV packt und damit 30 Kilometer in die Landschaft fährt um Sport zu treiben.

Und wenn er bei Minusgraden bis zur Wade in die Lippe steigt während ich quiekend am Ufer auf und ab tigere, würde sich jeder rundum erneuerte und faltenunterspritzte Fitnessjünger mit Grausen abwenden.
Seine Mutter hat sich mit 82 noch einmal Ohrlöcher stechen lassen. Und das finde ich um Ecken lässiger als jedes Nippel-Piercing einer 40-jährigen. Übrigens werde ich öfters jünger geschätzt seit ich meine Haare nicht mehr färbe.

Auch hier weiss der Volksmund Rat. „Schnee auf dem Dach, aber im Kamin ist noch Feuer.”

Von Helga in der Reihe „Heiter scheitern

Ich scheitere am Ausruhen – Heiter scheitern

Ein wundervoller Zufall will es, dass heute Nachmittag zwei Termine kurzfristig ausfallen. Die Woche war anstrengend, hatte schon genug Arbeitsstunden, draußen sind es wunderbare 23° Grad und Sonnenschein. Auf der To-Do-Liste sind nur noch Dinge, die auch bequem bis Montag Zeit haben, das klingt nach endlich mal früh Feierabend machen und dann ab auf die Terrasse.

Gegen Mittag richte ich die Terrasse her, Liege und Tisch zurechtrücken – das wird herrlich! Nach dem Mittagessen noch kurz die letzten Dinge erledigen, ein Buch aussuchen auf den eBook-Reader laden, fast fertig. Während ich meine Ausrüstung für die Terrasse zusammenstelle, denke ich an die To-Do-Liste. Sicher haben die Dinge Zeit, aber vieles davon ist schnell erledigt, das mache ich noch geschwind fertig, dann können die Kollegen weiterarbeiten.
Ungefähr eine Stunde später sind die meisten kleinen Dinge fertig und der Computer fährt herunter. Kaffee wäre jetzt gut. Während die Espressomaschine aufheizt, räume ich die Küche auf und wische über die Spüle. So, jetzt aber einen schönen Espresso und dann nichts wie raus! Mit dem eBook-Reader in der rechten Hand und mit der Unterlage für die Liege unter dem linken Arm geht es raus ins helle Sonnenlicht.

Der erste Liegeversuch ist unbequem, weshalb von drinnen noch ein Kissen als Unterlage geholt werden muss. Jetzt passt die Sitzposition, aber das Sonnenlicht ist so hell und der eBook-Reader so klein, dass es ewig blendet. Mit einer Zeitung würde das nicht passieren. Also nochmal rein und die Sonnenbrille gesucht.
Ich schaffe es, ein paar Zeilen zu lesen, da erschallen Blockflötentöne aus dem Nachbarhaus. Es sind vermutlich mehrere junge Damen, die bei offenem Fenster üben. Erst denke ich mir, dass ich mich einfach auf das Buch konzentrieren kann, als dann aber immer wieder der gleiche Lied-Anfang in Kakophonie endet, um erneut geübt zu werden, gebe ich mein Vorhaben auf.

Dann lese ich eben nicht, sondern höre Musik auf der Terrasse, das kann auch sehr entspannend sein. Der Kopfhörer und der Media-Player sind schnell gefunden. Ich lege mich auf die Liege und suche mir eine passende Musik aus, nach einigen Minuten des Suchens stelle ich fest, dass einige aktuelle Alben fehlen und beschließe, auf diese nicht verzichten zu können. Also zurück zum Computer und die Musik gerade eben schnell auf den Player kopiert.
Beim Kopieren werden mir noch ähnliche Interpreten vorgeschlagen, in deren aktuelle Alben ich selbstverständlich kurz hineinhöre. Auch noch zwei E-Mails beantworte ich kurz, sodass ich etwa eine Stunde später mit der passenden Musik auf der Terrasse stehe. Mittlerweile hat die Blockflöten-Band der Nachbarstochter das Üben eingestellt und ich kann mich wieder dem eBook widmen.

Nun steht die Sonne aber so tief, dass es unbequem ist den eBook-Reader zu halten, ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Verschiedene Versuche, die Lage mit mehreren Kissen zu verbessern, scheitern kläglich. Als ich die Kissen zurück ins Wohnzimmer bringe, sehe ich auf dem Handy, dass einige WhatsApp-Nachrichten beantwortet werden müssen.
Nachdem ich einige Minuten damit verbracht habe, zu überlegen, ob ich nicht der Einfachheit halber Musik höre, entscheide ich mich doch dafür den Sonnenschirm aus dem Keller zu holen. Als der Sonnenschirm vom Sonnenlicht angestrahlt wird, bemerke ich, dass die Bespannung an vielen Stellen ausgehakt ist. Kein Problem – Werkzeug ist schnell geholt. Allerdings kostet es mich ein wenig Zeit, den unter Spannung stehenden Stoff mit nur zwei Händen zu richten.

Ein wenig genervt entschließe ich mich deshalb, den schweren Schirmständer nicht alleine aus dem Keller zu tragen. Ich klingele beim Nachbarn, um Unterstützung zu holen. Zu zweit ist der Schirmständer ganz schnell auf der Terrasse. Bei dem fälligen Dank-Bier erzählt mir mein Nachbar, dass er den Vergaser seines Rasenmähers zerlegt und gereinigt hat, ihn jetzt aber nicht mehr zusammengesetzt bekommt. Selbstverständlich willige ich ein, sofort bei dem Puzzle zu helfen, hole mein Werkzeug und kaum ein paar Stunden später fragen wir uns, ob man denn um 22:00 Uhr den blitzblanken Rasenmäher ganz kurz, wirklich ganz kurz für einen Probelauf starten kann…

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern