Dichtkram des Monats

Deutsche Lokalitäten – Ein Triptychon

Mittlere Tafel: „Fegefeuer“ oder „Ratskeller“

Die Gäste sind im allerbesten Alter.
Man sitzt hier mit Krawatte und Jackett
und findet die Bedienung ziemlich nett:
der Pfaffe, Richter, Arzt und Hausverwalter.

Die Karte bietet selten mal was Neues.
Sie gibt sich überwiegend national,
bereichert jedes Mal im Herbstquartal:
Dann gibt es auch mal Reh, und zwar ein scheues.

Die Kellnerin fragt, was man gerne hätte.
Das Bier ersetzt meist den Aperitif.
Vom Nebenraum her weht Verbindungsmief,
vom Nebentische: Spargel und Krokette.

Wenn’s zotig wird, klopft man sich auf die Schenkel.
Und zotig wird’s nicht erst beim letzten Bier.
Das ist normal, das ist so Usus hier.
Ein Hut verwest am Garderobenhenkel.

Auf Schnitzelresten fröstelt noch Panade.
Das Essen ging mal eben grade so.
Nach Korpsstudentenpisse riecht das Klo.
Zu später Stunde zielt man nicht mehr grade.

Im Schnäuzer klebt ein Rest von Pfirsich Melba.
Das Taxi bleibt heut leer, man kann noch selber.

(Fortsetzung folgt)

Joachim Schwarzmann

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