Dichtkram des Monats

Wie Eckermann einmal Goethe hülfreich zur Hand gehen zu müssen glaubte und dafür ganz unerwartheten Lohn empfing

Goethe fing zu meckern an:
„Mein lieber, guter Eckermann,
wie geht denn hier der Wecker an?
Da ist ja gar kein Stecker dran!“

Drauf Eckermann zu Goethe:
„Mensch Goethe, biste blöthe?
Das Ding, das ist mechanisch.
Denn Strom, den gibt’s noch gar nisch!

Du musst nur hier am Rädchen drehn,
lässt ihn dann dort am Bettchen stehn,
und just zur Mörgenröthe
schallt ’s hier aus dieser Tröthe!

– bzw. Klingel! – Oder auch Schelle!“

Schallend war daraufhin die Backpfeife, die sich Eckermann ob seiner gänzlich unerwartheten und seinem Wesen eigentlich auch völlig fremden Besserwisserei einfing.
„Und? Was lernen wir daraus?“ grantelte der Dichterfürst, während sein Adlatus sich schuldbewusst die Wange rieb.
„Dass sich die Wange röthet, wenn Ihr mir eine löthet?“ stammelte Eckermann verunsichert.
„Das auch.“ brummte der Geheimrat schon etwas nachsichtiger, „Aber vor allem:
Hier darf nur einer, Goethe, dichten! Und Eckermann vielleicht berichten.
Haben wir uns verstanden?
Gut!“

Und so berichtete Eckermann in „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ dann auch ganz artig über dieses, jenes und solches. Nur eine peinliche kleine Anekdote hat er uns verständlicherweise vorenthalten wollen. Und wenn ich nicht zufällig im Nebenzimmer gelauscht hätte: Es wäre ihm sogar geglückt.

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