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Ich scheitere am Ausruhen – Heiter scheitern

Ein wundervoller Zufall will es, dass heute Nachmittag zwei Termine kurzfristig ausfallen. Die Woche war anstrengend, hatte schon genug Arbeitsstunden, draußen sind es wunderbare 23° Grad und Sonnenschein. Auf der To-Do-Liste sind nur noch Dinge, die auch bequem bis Montag Zeit haben, das klingt nach endlich mal früh Feierabend machen und dann ab auf die Terrasse.

Gegen Mittag richte ich die Terrasse her, Liege und Tisch zurechtrücken – das wird herrlich! Nach dem Mittagessen noch kurz die letzten Dinge erledigen, ein Buch aussuchen auf den eBook-Reader laden, fast fertig. Während ich meine Ausrüstung für die Terrasse zusammenstelle, denke ich an die To-Do-Liste. Sicher haben die Dinge Zeit, aber vieles davon ist schnell erledigt, das mache ich noch geschwind fertig, dann können die Kollegen weiterarbeiten.
Ungefähr eine Stunde später sind die meisten kleinen Dinge fertig und der Computer fährt herunter. Kaffee wäre jetzt gut. Während die Espressomaschine aufheizt, räume ich die Küche auf und wische über die Spüle. So, jetzt aber einen schönen Espresso und dann nichts wie raus! Mit dem eBook-Reader in der rechten Hand und mit der Unterlage für die Liege unter dem linken Arm geht es raus ins helle Sonnenlicht.

Der erste Liegeversuch ist unbequem, weshalb von drinnen noch ein Kissen als Unterlage geholt werden muss. Jetzt passt die Sitzposition, aber das Sonnenlicht ist so hell und der eBook-Reader so klein, dass es ewig blendet. Mit einer Zeitung würde das nicht passieren. Also nochmal rein und die Sonnenbrille gesucht.
Ich schaffe es, ein paar Zeilen zu lesen, da erschallen Blockflötentöne aus dem Nachbarhaus. Es sind vermutlich mehrere junge Damen, die bei offenem Fenster üben. Erst denke ich mir, dass ich mich einfach auf das Buch konzentrieren kann, als dann aber immer wieder der gleiche Lied-Anfang in Kakophonie endet, um erneut geübt zu werden, gebe ich mein Vorhaben auf.

Dann lese ich eben nicht, sondern höre Musik auf der Terrasse, das kann auch sehr entspannend sein. Der Kopfhörer und der Media-Player sind schnell gefunden. Ich lege mich auf die Liege und suche mir eine passende Musik aus, nach einigen Minuten des Suchens stelle ich fest, dass einige aktuelle Alben fehlen und beschließe, auf diese nicht verzichten zu können. Also zurück zum Computer und die Musik gerade eben schnell auf den Player kopiert.
Beim Kopieren werden mir noch ähnliche Interpreten vorgeschlagen, in deren aktuelle Alben ich selbstverständlich kurz hineinhöre. Auch noch zwei E-Mails beantworte ich kurz, sodass ich etwa eine Stunde später mit der passenden Musik auf der Terrasse stehe. Mittlerweile hat die Blockflöten-Band der Nachbarstochter das Üben eingestellt und ich kann mich wieder dem eBook widmen.

Nun steht die Sonne aber so tief, dass es unbequem ist den eBook-Reader zu halten, ohne Rückenschmerzen zu bekommen. Verschiedene Versuche, die Lage mit mehreren Kissen zu verbessern, scheitern kläglich. Als ich die Kissen zurück ins Wohnzimmer bringe, sehe ich auf dem Handy, dass einige WhatsApp-Nachrichten beantwortet werden müssen.
Nachdem ich einige Minuten damit verbracht habe, zu überlegen, ob ich nicht der Einfachheit halber Musik höre, entscheide ich mich doch dafür den Sonnenschirm aus dem Keller zu holen. Als der Sonnenschirm vom Sonnenlicht angestrahlt wird, bemerke ich, dass die Bespannung an vielen Stellen ausgehakt ist. Kein Problem – Werkzeug ist schnell geholt. Allerdings kostet es mich ein wenig Zeit, den unter Spannung stehenden Stoff mit nur zwei Händen zu richten.

Ein wenig genervt entschließe ich mich deshalb, den schweren Schirmständer nicht alleine aus dem Keller zu tragen. Ich klingele beim Nachbarn, um Unterstützung zu holen. Zu zweit ist der Schirmständer ganz schnell auf der Terrasse. Bei dem fälligen Dank-Bier erzählt mir mein Nachbar, dass er den Vergaser seines Rasenmähers zerlegt und gereinigt hat, ihn jetzt aber nicht mehr zusammengesetzt bekommt. Selbstverständlich willige ich ein, sofort bei dem Puzzle zu helfen, hole mein Werkzeug und kaum ein paar Stunden später fragen wir uns, ob man denn um 22:00 Uhr den blitzblanken Rasenmäher ganz kurz, wirklich ganz kurz für einen Probelauf starten kann…

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern

Ich scheitere an Hotels – Heiter scheitern

Ich frage mich, welche Hotels eigentlich an den Gast denken? Außer naturgemäß, dass sie von mir nur das Beste, nämlich mein Geld, haben wollen. Viele Dienstleistungen der Hotels kommen mir eher wie ein Hürdenlauf vor, aber vielleicht wollen die auch nur meine geistige Wachheit testen.

Mein Zug hat Verspätung, trotzdem werde ich noch kurz im Hotel einchecken können, um meine Sachen ab- und das Notebook aufzuladen. Es hat Stromhunger, denn die Steckdose im Zug war nicht freigiebig.

Jetzt um die Mittagszeit ist die Lobby leer, meine Reservierung wird schnell gefunden und ich mit Magnetkarte, Pappkarte und Internet-Voucher bewaffnet Richtung Aufzug geschickt.

Am Zimmer angekommen ziehe ich die Magnetkarte durch, es rührt sich nichts. Ich prüfe Richtung, Zimmerschloss und die Karte. Etwas in die Jahre gekommen ist die schon. Nach dem vierten Versuch gebe ich auf und mache mich auf dem Weg zur Lobby.

Ein Hotelangestellter prüft, testet und begleitet mich zum Zimmer. Dort zieht er die alte Karte geschickt durch das Zimmerschloss, welches daraufhin entriegelt. Sagt zu mir: „Geht doch!“, schließt die Zimmertür, gibt mir indes eine funkelnagelneue Karte. Ich probiere die neue Karte, die geht auf Anhieb. Was wollte er mir denn damit zeigen? Dass geschulte Hotelangestellte auch mit ältestem Schrott eine Zimmertür aufbekommen?

Kopfschüttelnd betrete ich das Zimmer. Sonnenlicht blendet mir entgegen und das Zimmer ist erstaunlich warm. Der Hotelfernseher brüllt mich mit lauter Musik an. Ich suche die Fernbedienung und drücke den roten Aus-Knopf. Der Fernseher quittiert das mit „Falsche Eingabe, drücken Sie Menü“, ich drücke auf Menü, dort wird mir das Erotik-Film-Paket angeboten. Ich dachte, dafür wäre das kostenlose WLAN da.

Ich versuche über die Pfeiltasten der Fernbedienung auf „Nein“ zu navigieren, Cursor rechts war aber wohl die Auswahl des Erotik-Pakets. Ich soll zur Bestätigung meine Zimmernummer eingeben. Der Fernseher brüllt immer noch Bar-Jazz-Musik in unglaublicher Lautstärke. Ich beschließe der Einfachheit halber, dem Fernseher den Strom zu entziehen.

Mir ist warm, ich schalte die Klimaanlage ein, nehme meine Hemden aus dem Koffer, um sie dann auf die umständlichen Hotelkleiderbügel in den Schrank zu fummeln. Für das Notebook findet sich eine Steckdose am Schreibtisch. Jetzt aber sputen, mein Termin wartet nicht.

Da klopft es an der Tür, es ist der Page. Sie hätten an der Rezeption gesehen, dass der Fernseher nicht mehr im Hotelnetz ist. Ich erzähle mit knappen aber farbigen Worten, wie mich dieses Wunderwerk ausnahmslos genervt hat. Der Hotelangestellte erklärt, dass das Gerät wichtige Funktionen hätte und man es nicht vom Strom trennen dürfe. Ich sage beim Gehen, er dürfe machen, was er wolle, allerdings – wenn der Fernseher während meines Besuchs auch nur einen Ton von sich gäbe, wären wir keine Freunde mehr.

Abends zurück im Hotelzimmer liegt der Stecker des Fernsehers immer noch neben der Steckdose. War ihm wohl doch zu gefährlich, dieses Monster wieder zu erwecken. Im Zimmer ist es immer noch heiß und das Notebook ist nicht geladen, da Klimaanlage und Steckdosen über die Zimmerkarte nur wenige Minuten nach meinem Verlassen des Zimmers ausgeschaltet wurden.

So muss die Klimaanlage in die Nacht rein rattern und ich klemme mich an den Winzlingsschreibtisch in Reichweite zur Steckdose. Der Schreibtisch hat dankenswerterweise eine Glasplatte, damit die Maus auch garantiert nicht funktionieren kann. Aber dafür liegt hier eine Menükarte, die zum Mauspad wird. Alles gut.

Nach einer Nacht mit laufender Klimaanlage wache ich gerädert auf, duschen, anziehen, allerdings bis auf das weiße Hemd, das kommt nach dem Frühstück. Nicht, dass da ein Fleck draufkommt.

Vor dem Frühstücksraum wacht eine Dame, ob denn auch alle das Frühstück bezahlt haben. Ich nenne meine Zimmernummer, die Dame meint da wäre kein Frühstück gebucht. Ich bestätige, dass mein Tarif inklusive Frühstück ist. Die Dame ruft lautstark hinüber zur zehn Meter entfernten Lobby. Da dort jedoch viele Menschen mit dem Auschecken befasst sind, ist die Kommunikation sehr verzögert, laut und langwierig. Mir reicht es irgendwann und ich biete der Dame an, dass ich durchaus das Frühstück bezahlen würde, wenn sich herausstellen sollte, dass es nicht in meinem Tarif enthalten sei. Sie zeigt sich erstaunt und zeigt mir die Stelle auf ihrer Zimmerliste, auf der ich unterzeichnen soll.

Die Aktion hat mir mindestens zehn Minuten meines Zeitkontingents geklaut, schnell gefrühstückt, schnell aufs Zimmer, weißes Hemd anziehen und Zähneputzen. Mist! Falsche Reihenfolge, ich versaue mir das Hemd in aller Hektik mit Zahnpasta. Ok, dann eben ein sauberes Hemd weniger.

Beim Auschecken an der Rezeption erklärt man mir, man habe irgendwie keine Anzeige zur Nutzung der Minibar, da müsse die Verbindung zum Fernseher unterbrochen sein. Es müsse erst ein Mitarbeiter ins Zimmer geschickt werden, um die Minibar zu kontrollieren. Meine Hinweise, nichts aus der Minibar genommen zu haben und im Notfall hätte das Hotel ja meine Kreditkartendaten, nutzen nichts. Ich soll mich in der Schlange wieder hinten einreihen.

Als ich endlich wieder an der Reihe bin, bemängele ich die Rechnung, da sie zwei Frühstücke enthält. Die Rezeptionistin erklärt mir in scharfen Ton, dass ich nicht auf der Liste hätte unterzeichnen dürfen, da mein Tarif doch ein Frühstück enthalten hat. Nun hätte sie all die Arbeit mit der Rechnungskorrektur. Ich deute auf die Dame vor dem Frühstücksraum und zeige mich zunehmend verzweifelt.

Ich bin froh, nun endlich auf dem Weg zu sein. Diese amerikanische Hotelkette rutscht in meiner persönlichen Hotel-Favoritenliste einige Plätze nach unten.
Als ich einige Tage später eine unerklärliche Abbuchung von 20 Euro auf meiner Kreditkarte finde, die sich später als zweites Frühstück herausstellt, ist es mit der Freundschaft vorbei. Lieber ein paar Kilometer außerhalb als dieses Desaster. Und eure „With compliments“-Karte mit handgeschriebenem Gästenamen auf dem Bett könnt ihr Euch sonst-wohin …abheften.

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern„.

Weihnachtsspende 2018 an Westfälisches Kinderdorf e.V.

Zum elften Mal ging Eure Weihnachtsspende heute an das WeKiDo Westfälisches Kinderdorf e.V. Ihr habt die 418 € vom letzten Jahr wieder überboten. Es waren wahnsinnige 645 €! Gerne rundet die Kneipenlesung dies auf 700 €. Vielen Dank allen Spendern und Sponsoren!

Herzlichen Dank noch einmal an: Den Bären-Treff in Paderborn der Euch die Lesung wieder mal versüßt hat. Das Team von Isabell im Café Röhren und selbstverständlich auch ein großes Danke an Euch! Hoffentlich wird 2018 genauso toll wie 2019 wir sehen uns auf der Januarlesung!