Alle Beiträge von Werner Roth

Ich scheitere an Hotels – Heiter scheitern

Ich frage mich, welche Hotels eigentlich an den Gast denken? Außer naturgemäß, dass sie von mir nur das Beste, nämlich mein Geld, haben wollen. Viele Dienstleistungen der Hotels kommen mir eher wie ein Hürdenlauf vor, aber vielleicht wollen die auch nur meine geistige Wachheit testen.

Mein Zug hat Verspätung, trotzdem werde ich noch kurz im Hotel einchecken können, um meine Sachen ab- und das Notebook aufzuladen. Es hat Stromhunger, denn die Steckdose im Zug war nicht freigiebig.

Jetzt um die Mittagszeit ist die Lobby leer, meine Reservierung wird schnell gefunden und ich mit Magnetkarte, Pappkarte und Internet-Voucher bewaffnet Richtung Aufzug geschickt.

Am Zimmer angekommen ziehe ich die Magnetkarte durch, es rührt sich nichts. Ich prüfe Richtung, Zimmerschloss und die Karte. Etwas in die Jahre gekommen ist die schon. Nach dem vierten Versuch gebe ich auf und mache mich auf dem Weg zur Lobby.

Ein Hotelangestellter prüft, testet und begleitet mich zum Zimmer. Dort zieht er die alte Karte geschickt durch das Zimmerschloss, welches daraufhin entriegelt. Sagt zu mir: „Geht doch!“, schließt die Zimmertür, gibt mir indes eine funkelnagelneue Karte. Ich probiere die neue Karte, die geht auf Anhieb. Was wollte er mir denn damit zeigen? Dass geschulte Hotelangestellte auch mit ältestem Schrott eine Zimmertür aufbekommen?

Kopfschüttelnd betrete ich das Zimmer. Sonnenlicht blendet mir entgegen und das Zimmer ist erstaunlich warm. Der Hotelfernseher brüllt mich mit lauter Musik an. Ich suche die Fernbedienung und drücke den roten Aus-Knopf. Der Fernseher quittiert das mit „Falsche Eingabe, drücken Sie Menü“, ich drücke auf Menü, dort wird mir das Erotik-Film-Paket angeboten. Ich dachte, dafür wäre das kostenlose WLAN da.

Ich versuche über die Pfeiltasten der Fernbedienung auf „Nein“ zu navigieren, Cursor rechts war aber wohl die Auswahl des Erotik-Pakets. Ich soll zur Bestätigung meine Zimmernummer eingeben. Der Fernseher brüllt immer noch Bar-Jazz-Musik in unglaublicher Lautstärke. Ich beschließe der Einfachheit halber, dem Fernseher den Strom zu entziehen.

Mir ist warm, ich schalte die Klimaanlage ein, nehme meine Hemden aus dem Koffer, um sie dann auf die umständlichen Hotelkleiderbügel in den Schrank zu fummeln. Für das Notebook findet sich eine Steckdose am Schreibtisch. Jetzt aber sputen, mein Termin wartet nicht.

Da klopft es an der Tür, es ist der Page. Sie hätten an der Rezeption gesehen, dass der Fernseher nicht mehr im Hotelnetz ist. Ich erzähle mit knappen aber farbigen Worten, wie mich dieses Wunderwerk ausnahmslos genervt hat. Der Hotelangestellte erklärt, dass das Gerät wichtige Funktionen hätte und man es nicht vom Strom trennen dürfe. Ich sage beim Gehen, er dürfe machen, was er wolle, allerdings – wenn der Fernseher während meines Besuchs auch nur einen Ton von sich gäbe, wären wir keine Freunde mehr.

Abends zurück im Hotelzimmer liegt der Stecker des Fernsehers immer noch neben der Steckdose. War ihm wohl doch zu gefährlich, dieses Monster wieder zu erwecken. Im Zimmer ist es immer noch heiß und das Notebook ist nicht geladen, da Klimaanlage und Steckdosen über die Zimmerkarte nur wenige Minuten nach meinem Verlassen des Zimmers ausgeschaltet wurden.

So muss die Klimaanlage in die Nacht rein rattern und ich klemme mich an den Winzlingsschreibtisch in Reichweite zur Steckdose. Der Schreibtisch hat dankenswerterweise eine Glasplatte, damit die Maus auch garantiert nicht funktionieren kann. Aber dafür liegt hier eine Menükarte, die zum Mauspad wird. Alles gut.

Nach einer Nacht mit laufender Klimaanlage wache ich gerädert auf, duschen, anziehen, allerdings bis auf das weiße Hemd, das kommt nach dem Frühstück. Nicht, dass da ein Fleck draufkommt.

Vor dem Frühstücksraum wacht eine Dame, ob denn auch alle das Frühstück bezahlt haben. Ich nenne meine Zimmernummer, die Dame meint da wäre kein Frühstück gebucht. Ich bestätige, dass mein Tarif inklusive Frühstück ist. Die Dame ruft lautstark hinüber zur zehn Meter entfernten Lobby. Da dort jedoch viele Menschen mit dem Auschecken befasst sind, ist die Kommunikation sehr verzögert, laut und langwierig. Mir reicht es irgendwann und ich biete der Dame an, dass ich durchaus das Frühstück bezahlen würde, wenn sich herausstellen sollte, dass es nicht in meinem Tarif enthalten sei. Sie zeigt sich erstaunt und zeigt mir die Stelle auf ihrer Zimmerliste, auf der ich unterzeichnen soll.

Die Aktion hat mir mindestens zehn Minuten meines Zeitkontingents geklaut, schnell gefrühstückt, schnell aufs Zimmer, weißes Hemd anziehen und Zähneputzen. Mist! Falsche Reihenfolge, ich versaue mir das Hemd in aller Hektik mit Zahnpasta. Ok, dann eben ein sauberes Hemd weniger.

Beim Auschecken an der Rezeption erklärt man mir, man habe irgendwie keine Anzeige zur Nutzung der Minibar, da müsse die Verbindung zum Fernseher unterbrochen sein. Es müsse erst ein Mitarbeiter ins Zimmer geschickt werden, um die Minibar zu kontrollieren. Meine Hinweise, nichts aus der Minibar genommen zu haben und im Notfall hätte das Hotel ja meine Kreditkartendaten, nutzen nichts. Ich soll mich in der Schlange wieder hinten einreihen.

Als ich endlich wieder an der Reihe bin, bemängele ich die Rechnung, da sie zwei Frühstücke enthält. Die Rezeptionistin erklärt mir in scharfen Ton, dass ich nicht auf der Liste hätte unterzeichnen dürfen, da mein Tarif doch ein Frühstück enthalten hat. Nun hätte sie all die Arbeit mit der Rechnungskorrektur. Ich deute auf die Dame vor dem Frühstücksraum und zeige mich zunehmend verzweifelt.

Ich bin froh, nun endlich auf dem Weg zu sein. Diese amerikanische Hotelkette rutscht in meiner persönlichen Hotel-Favoritenliste einige Plätze nach unten.
Als ich einige Tage später eine unerklärliche Abbuchung von 20 Euro auf meiner Kreditkarte finde, die sich später als zweites Frühstück herausstellt, ist es mit der Freundschaft vorbei. Lieber ein paar Kilometer außerhalb als dieses Desaster. Und eure „With compliments“-Karte mit handgeschriebenem Gästenamen auf dem Bett könnt ihr Euch sonst-wohin …abheften.

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern„.

Weihnachtsspende 2018 an Westfälisches Kinderdorf e.V.

Zum elften Mal ging Eure Weihnachtsspende heute an das WeKiDo Westfälisches Kinderdorf e.V. Ihr habt die 418 € vom letzten Jahr wieder überboten. Es waren wahnsinnige 645 €! Gerne rundet die Kneipenlesung dies auf 700 €. Vielen Dank allen Spendern und Sponsoren!

Herzlichen Dank noch einmal an: Den Bären-Treff in Paderborn der Euch die Lesung wieder mal versüßt hat. Das Team von Isabell im Café Röhren und selbstverständlich auch ein großes Danke an Euch! Hoffentlich wird 2018 genauso toll wie 2019 wir sehen uns auf der Januarlesung!

Ich scheitere am Fliegen – Heiter scheitern

Eines möchte ich verstehen: Warum sind öffentliche Verkehrsmittel öffentlich und warum meinen viele der Mitreisenden ihre Persönlichkeit entfalten zu dürfen, ohne jedoch auf andere im selben Verkehrsmittel Eingesperrte Rücksicht nehmen zu müssen?

Es ist viertel vor sechs an einem herbstlichen Tag, draußen ist es um die 5° Celsius, der Nebel lässt alles klamm werden. Ich steige in den Flieger nach München, Gott sei Dank geht es heute Abend wieder zurück.

Als ich zu meinem Gangplatz komme, sitzt dort schon ein gut gekleideter Herr, etwas extrovertiert angezogen und bedüftelt. Vermutlich ein Vertriebsmitarbeiter eines hiesigen Mittelständlers.

Als ich mich setzen will, bemerke ich einen Rimova-Aktenkoffer vor meinen Füßen unter meinem Sitzplatz. Es stellt sich raus, dass er dem Herrn gehört. Meine Bitte, den Koffer unter seinen Sitz zu bugsieren, lehnt er mit dem Hinweis ab, dass er seine Füße dann nicht mehr ausstrecken kann. Meinen Einwand, dass ich so meine Füße nicht ausstrecken kann, lässt er nicht gelten.

Ein kurzer Austausch von „Sie müssen“, „ich muss nicht“ lockt die Stewardess heran, die sich von dem Herrn das Problem erklären lässt, daraufhin den Aktenkoffer mit nach vorne in die Garderobe nimmt und ihm mehrfach versichern muss, der Koffer sei bei ihr in besten Händen.

Das wäre geklärt. Ich mache es mir gemütlich und der Herr fängt an mich auszufragen. Ich frage der Höflichkeit halber zurück und bekomme ähnlich wie in Herakles‘ Kampf mit der Hydra für eine Frage 10 Rückfragen. Ich bin zu müde und uninteressiert, außerdem bemerke ich dicht unter dem intensiven Rasierwassergeruch des Herren eine Spur Weinbrand, die sich mit jedem Satz immer deutlicher mit dem Rasierwasser konkurrieren kann. Ich schätze, das war mindestens ein Doppelter zum Frühstück. Nicht preiswertes Scharfes, nein der Herr hat Geschmack und das nötige Kleingeld. Ich tippe auf Club de Rémy Martin, nicht VSOP, es ist Club.

Nun ist aber gut, ich beende das Gespräch höflich mit Hinweis auf meine Kopfhörer, die ich dabei aufsetze und entscheide mich für „Be Brave“ als Soundtrack für den Beginn der Reise.

Der Tag in München verlief dann ganz erfolgreich, aber es drohte erneutes Unheil, als es am späteren Abend zurück zum Flughafen ging, um auf den Zehn-Uhr-Flieger zu warten.

Leider zeigt das Smartphone eine Verspätung von 20 Minuten an, die sich auf 40 Minuten ausweiten werden. Es geht mit dem Bus zum Flugzeug, draußen trifft man auf 15° Celsius gepaart mit intensivem Nieselregen. Diesmal sitze ich schon, bevor mein Sitznachbar kommt.

Ein Mann geht im Gang an mir vorbei, um sich dann umzudrehen und umständlich sein Gepäck über meinem Kopf in die Ablage zu bugsieren. Das für sich genommen ist schon merkwürdig. Als er mit dem Bugsieren fertig ist, spricht er mich an, deutet auf den leeren Fensterplatz neben mir und sagt, das sei sein Platz. Die Ansprache kommt in der Form von drei Aufforderungen stakkato-artig in kurzer Folge vorgebracht. Ich soll ihn nun endlich auf seinen Platz lassen.

Ich spreche ihn mit „Guter Mann“ an und sage ihm, dass ich das gerne tun würde, aber er es verhindert hat, indem er einen Platz zu weit gegangen ist und nun die anderen Passagiere im Gang jegliches Aufstehen unmöglich machen. Daraufhin beschimpft er den hinter ihm im Gang stehenden Menschen, wieder mit dreifach wiederholter Ansprache. Ich vermute, er hält seine Vorgehensweise für angemessen, für mich ein Nachweis, dass der Dunning-Kruger-Effekt auch auf den alleruntersten Intelligenzstufen existiert.

Da nun sehr viele Leute ins Flugzeug drängen, staut es im Gang sehr stark und es beginnt eine akrobatische Kletterei um meinen zukünftigen Sitznachbarn herum. Auch scheinen viele nachrückende Leute seine Intention nicht zu verstehen und lassen keinen Platz. Irgendwann kann ich aufstehen, er zirkelt noch um einen Passagier herum, dann sitzt er. Ich entschuldige mich bei den Wartenden mit einem Achselzucken.

Ich bin froh, bei der Gepäckbugsiererei keinen seiner Koffer abbekommen zu haben, packe die Kopfhörer aus und der Player startet „Going Under“.

Am Zielort angekommen bin ich froh, ganz vorne zu sitzen und schnell raus zu kommen. Jetzt schnell Parkzettel bezahlen, Auto starten und Anlage an. Als ich auf die B1 einbiege, drücke ich das Gaspedal einmal weit durch. Ich gewinne Abstand, schnell sind die Paderborner Taxis zu Stelle und geben Geleit. Es ist nach zwölf ich bin auf dem Weg nach Hause. „We’re up all night to get lucky“.

Von Werner in der Reihe „Heiter scheitern„.