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Eine alte Anekdote aus der Gaststätte Lenz…

…kolportiert von Horst Bures persönlich, seinerzeit, von Ohrenzeugen weitergegeben, aufgeschnappt und aufgeschrieben von Georg Lorenz.

Becker an der Theke

Ich hab das nur gehört, aber es ist wirklich wahr gewesen, von verschiedenen Seiten, mehrfach hab ich das gehört, … da hat einer seine ganze Sache ausgepackt.

Und da frage ich mich, wie kommt jemand dazu, so etwas zu tun, also alles was er in der Hose hat auszupacken und auf die Theke zu legen.

Jaja, in `ner Kneipe war das, in `ner richtigen öffentlichen Kneipe, in der Domstadt, also hier ganz in der Nähe, wir sitzen quasi mitten drin in dieser Domstadt,

da ist das passiert, auf `nem Sonntagabend,… vielleicht,… vielleicht aber auch auf einem Samstag, das kam beim Hörensagen nicht so richtig raus,

nur das alles rauskam, das kam raus und landete auf der Theke,

… das ist schon wahr gewesen.

Es waren übrigens nicht die Hosentaschen, die er ausgepackt hat, da war eh nichts mehr drin, alles versoffen.

Der Mann war nämlich sturzbetrunken ,… ja, ein Mann war das, eine Frau kann das ja nicht gewesen sein, an der Stelle ist ja nix in `ner Hose… was man auf den Tresen legen könnte.

Nun ja, … als es dann da lag, so alles was vorher noch hinter der Stalltür war, …

also Stalltür auf und raus mit dem Geschmeiß auf den Tresen…

Wobei, so einfach war das wohl auch wieder nicht, soll nicht so groß gewesen sein der Mann, hab ich gehört, brauchte wohl einen Hocker, nicht weil seiner klein war, sondern weil er klein war…

die Kleinsten haben ja oft die Größten hab ich auch mal gehört…

jedenfalls, da läuft dem Wirt das Bierglas über, weil er den Hahn nicht mehr zugedreht kricht,… motorischer Stillstand, weil er auf das starren musste, was da auf seinem Tresen liegt, ohne Bierdeckel drunter, und weil er nicht glauben konnte, was er sah, und das Bier floss ihm über die Hände und einer rief noch „Dreh`n die hier `nen Film?“ und ein anderer schließlich „Hooorst, das Glas ist voll!“

Da kam der Wirt wieder zu sich, und drehte den Hahn zu, stellte das Bier ab und wandte sich ganz professionell an den Mann und sagte in einem Ton, dem man nur gehorchen kann, */* so ein Ton, den kann ich gar nicht wiedergeben, sagte er: „Hr. Becker, du packst jetzt alles ein, was zu dir gehört, und dann machst du die Tür von außen zu, für immer! Raus hier!“

Ja,… und da war der Spuk vorbei und die Sitte wieder hergestellt, in der Domstadt, obwohl, die war ja nur für einen winzigen Augenblick in Gefahr, wegen dem beherzten Wirt.

So hab ich das gehört, und aufgeschrieben und ihr wisst jetzt auch Bescheid.

Anekdote des Monats

Wussten Sie schon,
dass der große Johann Sebastian Bach eigentlich Jovan Sebastijan Potok hieß, sich seiner bosnischen Wurzeln aber derart schämte, dass er anno 1708 bei seiner Übersiedlung von Ilidža nach Weimar sich nicht einfach nur umbenannte, sondern seine gesamte Vergangenheit neu erfand, ja im Laufe der Zeit sogar seine aus der Heimat mitgebrachten Kompositionen umschrieb? Ein Großteil seiner Musik war ursprünglich im auf dem Balkan so beliebten 7/8-Rhythmus geschrieben. Erst 1722 in Köthen wurden beispielsweise aus den wilden „Preludija i fuge“ des „Vruća Harmonika“ die langweiligen Präludien und Fugen des wohltemperierten Klaviers.
Und erst jetzt, nachdem eine banja-lukische Raumpflegerin im Fundus des Bach-Archivs Leipzig auf die originalen Manuskripte des C-Dur-Präludiums stieß und ihre Entdeckung publik machte, scheint man sich langsam damit abzufinden, dass der berühmteste Thüringer und sechstberühmteste Deutsche – ein Bosnier ist.
Hier ein Exzerpt der o.g. Komposition für Akkordeon* und Hackbrett:

*: Unglaublich auch, wie weit der geniale Potok seiner Zeit voraus war: für ein Instrument zu komponieren, bevor es überhaupt erfunden war!