Schlagwort-Archive: Gedicht

Dreiphrasenhamster-dichtkram

Wein, Weib und Gesang

Der Gott fiel ab-so-lut nichts ein. –
So mehr aus Zufall schuf sie Wein.
Den schraubte sie sich erst mal rein

und, einfach so, zum Zeitvertreib
erschuf sie leicht beschwipst das Weib
– mit wirklich wohlgeformtem Leib.

Nun fehlte ihr nur noch Gesang,
worauf sogleich Sopran erklang.
Wie schön! Doch dann der Niedergang:

Hätt‘ sie doch bloß gesagt: Vollbracht!
Doch nein: Gott hat den Mann erdacht,
den Mann, der ihr nun streitig macht,

was ihr in ihrem Schöpferdrang
schon echt dreifaltig gut gelang:
Den Wein, das Weib und den Gesang.

Dichtkram des Monats

EM 2000

Zum Jahre Null gäb ’s manches zu erwähnen,
im Vorfeld kam uns Schlimmes schon zu Ohren:
in allen Mannschaftsteilen ein Rumoren.
Das Fazit: ein Tor besser als die Dänen.

Mit Gerhard Delling bei den Analysen
im Ganzen tolerabel: Günter Netzer.
Im Zweiten macht ein Kürten uns den Schwätzer.
Und Ribbeck drückt auf alle Tränendrüsen.

Die Deutschen gehen unter wie die Briten.
Slovenien ist zum ersten Mal dabei,
genauso wie die Herrn aus der Türkei.
Doch später sieht man nur noch Favoriten.

Neunstelliges muss man für Figo zahlen.
Herr Netzer kann sich zwar für ihn erwärmen,
doch bringt ein andrer diesen erst zum schwärmen
(Man sieht: wir nähern uns den Halbfinalen.):

Den Knock-out setzt ein Zinedine Zidane
nach scharfen portugiesischen Protesten
bei Schieds- und Linienrichtern, den gestressten,
mit einer scharf gezirkelten Banane.

Oranjes erster Elfer schwach geschossen,
beim zweiten Kluivert sauber an den Pfosten,
beim dritten, vierten Toldo auf dem Posten,
beim fünften Rijkaarts Untergang beschlossen.

In Deutschland, klagt es aus der Sportbeilage,
ist das Finale nur noch Nebensache.
Im Sommerloch kommt anderes zur Sprache:
die wochenlange Bundestrainerfrage.

Ganz eklatant war das Süd-Nord-Gefälle.
Doch davon vielleicht mehr an andrer Stelle.

Dichtkram des Monats

Wie Eckermann einmal Goethe hülfreich zur Hand gehen zu müssen glaubte und dafür ganz unerwartheten Lohn empfing

Goethe fing zu meckern an:
„Mein lieber, guter Eckermann,
wie geht denn hier der Wecker an?
Da ist ja gar kein Stecker dran!“

Drauf Eckermann zu Goethe:
„Mensch Goethe, biste blöthe?
Das Ding, das ist mechanisch.
Denn Strom, den gibt’s noch gar nisch!

Du musst nur hier am Rädchen drehn,
lässt ihn dann dort am Bettchen stehn,
und just zur Mörgenröthe
schallt ’s hier aus dieser Tröthe!

– bzw. Klingel! – Oder auch Schelle!“

Schallend war daraufhin die Backpfeife, die sich Eckermann ob seiner gänzlich unerwartheten und seinem Wesen eigentlich auch völlig fremden Besserwisserei einfing.
„Und? Was lernen wir daraus?“ grantelte der Dichterfürst, während sein Adlatus sich schuldbewusst die Wange rieb.
„Dass sich die Wange röthet, wenn Ihr mir eine löthet?“ stammelte Eckermann verunsichert.
„Das auch.“ brummte der Geheimrat schon etwas nachsichtiger, „Aber vor allem:
Hier darf nur einer, Goethe, dichten! Und Eckermann vielleicht berichten.
Haben wir uns verstanden?
Gut!“

Und so berichtete Eckermann in „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ dann auch ganz artig über dieses, jenes und solches. Nur eine peinliche kleine Anekdote hat er uns verständlicherweise vorenthalten wollen. Und wenn ich nicht zufällig im Nebenzimmer gelauscht hätte: Es wäre ihm sogar geglückt.