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Dichtkram des Monats

Der Gourmet

Helge Rosenblads Verlangen
nach stets neuen Gaumenfreuden,
Köstlichkeiten, Hochgenüssen
ließ ihn zum Adepten werden
derer, die – ach – so begnadet
hehre Kochkunst zelebrieren.

Denn das, was die Schlemmertempel
wo auch immer offerierten,
stellte ihn nicht mehr zufrieden,
fehlte im Alltäglichen selbst
sternbewehrter Spitzenköche
mithin oftmals das Sublime,
das ein rechter Feingeschmäckler
nun einmal nicht missen mochte.

Und so reifte bald der Vorsatz,
selbst am Herd zu Mütze, Schürze,
Messer, Löffel, Topf zu greifen,
um, wie einst der Zauberlehrling,
die, die da vermeintlich meistern,
einfach mal zu überbieten.

Und zwar ohne Kochrezept, denn
wer sich seiner Sache sicher,
wer ein wirklich Eingeweihter,
der braucht schließlich kein Brevier und
kann, statt nur nach andrer Weise
vor sich hin zu dilettieren,
fest aufs Kreative bauen
und so wirklich Großes schaffen.

Erster Schritt galt der Beschaffung.
Doch schnell stockte ihm der Atem,
weil das, was die Feinkosthandlung
Edles in Regalen führte,
zwar Inspiration verschaffte,
doch dem Portemonnaie nicht schmeckte.

Anders da der Supermarkt, der
preislich durchaus angemessen
eher schlichte Ware führte,
die den Meister fordern würde:
Darf doch der nur Koch sich nennen,
der sich auch darauf versteht, wie
ehedem die Alchemisten,
schieren Schmutz in Gold zu wandeln.

Nach arg langen Einkaufsmühen
in der Küche angekommen,
galt es nun der Zubereitung
der gewählten Lebensmittel,
die nicht stümperhaft verfremdet,
nein, verfeinert werden wollten.

Auch nach stundenlangem Werken
soll der Ursprung einer Speise
weiterhin erkennbar bleiben.
Und so überließ er diese
einzig nur den Elementen,
als da wären Feuer, Wasser
und auch Luft in Form von Bläschen,
die da aus dem Topfe stiegen.

Schnell den Wein noch dekantiert so-
wie die Tafel hergerichtet –
und nach weit’ren fünf Minuten
war das Wiener Würstchen fertig:
aufgeplatzt zwar, doch genießbar.
Als Premiere gar nicht übel.

Dichtkram des Monats

Preiswürdig

Blau ist der Stift,
weiß ist das Blatt.
Am Schreibtisch: Friedrich Dürrenmatt.

Weiß ist das Blatt,
blau ist der Stift
und Dürrenmatt total bekifft.

Der Stift ist blau,
das Blatt ist weiß.
Herr Dürrenmatt schreibt „Kackascheiß“.

Das Blatt ist weiß,
der Stift ist blau.
„Mensch, Dürrenmatt, Sie alte Sau!“

„Wieso denn Sau?“
„Was soll der Scheiß?“
„Ich bin nicht blau!“ „Ich weiß, ich weiß,

Herr Dürrenmatt,
Sie sind bekifft!
„Ich wüsst’ nicht, was das Sie betrifft.“

„Mich nicht betrifft?
Herr Dürrenmatt!“
„Na gut, ich sag es mal ganz platt:

Mit diesem Blatt,
jetzt ohne Scheiß,
hol ich den Georg-Büchner-Preis.“

(…den Dürrenmatt
an meiner statt
dann schließlich auch bekommen hat.)

Dichtkram des Monats

Mir ist, als hört‘ ich Stimmen,
von Ferne erst, ganz schwach
und leis wie Kienspanglimmen,
als wär ich halb nur wach,

ein Wispern, Seufzen, Raunen,
halb Drängen und halb Fleh’n,
bald Rufen, Schrei’n, Posaunen –
jetzt kann ich es versteh’n:

Ich sei, auf den man zählte!
Der Eine, Auserwählte!
Ich bin doch wohl nicht krank?

Mir wird etwas befohlen:
„Ey, Achim, Kaffee holen!“
Mein Chef nur, Gott sei Dank!