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Dichtkram des Monats

Mellow Yellow

Gelb wie eine Krähenscharbe,
gelb wie eine Pockennarbe,
gelb wie eine Weizengarbe,
Gelb ist meine Lieblingsfarbe!

Unnötig, dass ich erwähne:
Gelb ist meine Löwenmähne.
Und man sieht, wenn ich mal gähne:
Gelb sind alle meine Zähne.

Gelb sind meine Fingerkuppen:
Kommt vom Halten all der Fluppen.
Gelb sind meine trüben Augen:
Kommt vom Flaschenbierchensaugen.

Gelb mein Sinnen und mein Streben.
Leute: Gelb her oder Leben!

Dichtkram des Monats

Vorhang auf: Ein kleiner Mann
kommt, mit engen Hosen an,
reingelaufen. Kaum zu glaum,
macht er einen Purzelbaum,
dass der Dielenboden knackt!
Das war schon der erste Akt.

Zweiter Akt: Ein großer Mann
zeigt, was er Besondres kann.
Stellt sich auf den Kleinen drauf
und hört gar nicht damit auf,
auf dem Kleinen rumzusteh’n.
Hat man so was schon gesehn?!

Dritter Akt: Ein Mädchen kommt,
klettert auf die Männer. Prompt
wackelt alles und hat Luft,
dass man beinah „Vorsicht!“ ruft.
Alle biegen ihren Leib.
Merkwürdiger Zeitvertreib.

Das war schon der letzte Akt.
Dumm nur, dass der Vorhang hakt.

Dichtkram des Monats

Publikum (eine Anbiederung)

Warten, quatschen, Sektchen schlürfen,
jammern, doch bald rein zu dürfen.
Schieben, drängeln, meckern, ziegen,
um den besten Platz zu kriegen.

Flüstern, lästern, wundern, strahlen,
stolz mit seiner Nichte prahlen.
Schmunzeln, lächeln und genießen,
aus Versehn ein Glas vergießen.

Pause: zur Toilette laufen,
rauchen, noch’n Sektchen kaufen.
Im Foyer den Dingens grüßen –
Pausengong: zum Sitzplatz düsen.

Tuscheln, raunen, grinsen, schwatzen,
kichernd sich die Nase kratzen.
Seufzen, staunen, wispern, tratschen,
johlend auf die Schenkel klatschen.

Applaudieren wie benommen:
Danke, Ihr dürft wiederkommen!

Liedkram des Monats

An Dich

Ich steh an der Kreuzung und warte.
Jemand hupt, denn es ist schon längst Grün.
Ich war in Gedanken wohl wieder bei Dir.
Doch nun fragt sich, wie kam ich hier hin.
Was soll denn ich Dösel am Detmolder Tor?
Etwas fassungslos kratze ich mich.
Und verflogen ist damit jeder Gedanke an Dich.

Ich sitz auf dem Sofa und lese
schon zum x-ten Mal denselben Satz.
Denn ich träume, Du kämst mit zwei Tassen Kaffee
herein und nähmst bei mir Platz.
Doch mich stupst nur ein hungriges Katzenvieh an
und bedeutet mir, „Füttere mich!“
Und verflogen ist damit jeder Gedanke an Dich.

Ich lieg in der Sonne und döse
und wünschte, Du lägst neben mir
und rieseltest mir etwas Sand auf den Bauch,
doch dort krabbelt nur irgendein Tier.
Ich wisch es reflexartig weg, doch das Vieh,
das ist ist schneller: ich spüre den Stich.
Und verflogen ist damit jeder Gedanke an Dich.

Wir sitzen zusammen beim Frühstück
und Du fragst mich „Woran denkst Du jetzt?“
Ich hab Dich anscheinend für irgendwas andres
in meinen Gedanken versetzt.
Ich sage „An nichts“ und ich denke „Ertappt!“,
doch ansonsten und an und für sich
denk ich, abgesehen von Pausen, immer an Dich.
Doch das sag ich Dir nicht.

Joachim Schwarzmann

 

Dichtkram des Monats

Steppvisite

Das ist mir nicht geheuer, dieses Klopfen.
Ich frage mich, ob es wohl zu was führt,
wenn man das einmal wirklich dechiffriert.
Ach was, verloren wären da nur Hopfen

und Malz! Denn dem Bedeutung aufzupfropfen,
das hieße doch nur, dass man Zeit verliert.
Da hampelt jemand sinnlos durchs Geviert
und zieht und zupft, grad so wie steter Tropfen

den Stein höhlt, fortgesetzt an meinen Nerven
und raubt mir letzte seelische Reserven!
Nicht fähig mich zum Ausgang hinzuschleppen,

fahr ich durch meine Haare, die ergrauten,
erkennend, dass es Zeit ist sich zu outen:
Ich habe keine Ahnung vom, äh, Steppen.

Joachim Schwarzmann