Lyrik machen – jedenfalls leidlich einprägsame – wird ja nicht allein wegen der im Deutschen im Vergleich zu einigen Nachbarsprachen doch recht begrenzten Reimmöglichkeiten als schwierig empfunden. Schließlich ist man ja nicht allein dem Reimzwang unterworfen. Und auch ein einwandfrei gedrechselter Rhythmus macht ein Gedicht allenfalls stolperfrei. Oft ist leiderleider lediglich wegen eines oder zweier Wörter alles für die Katz: klingt blöd, geschraubt, schwingt nicht richtig – ab in die Schublade. Und von da dann irgendwann in den Nachlass, sprich: Müll.
Trist zwar. Tröstlich aber doch, dass es auch einem Goethe oftmals nicht anders erging:
Schauen wir, beispielsweise, zurück ins Jahr 1780. Es ist der 6. September, eine Jagdhütte auf dem Kickelhahn, darinnen – murmelnd auf die Hüttenwand Bleistift schreibend – Goethe:
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürst du
Kaum einen Hauch;
Die Vöglein schweigen im Wald.
Warte nur, bald
Ruhst du auch.
Hm, dachte der Dichterfürst den Kopf wiegend, nicht schlecht.
Nicht schlecht, nett geleimt, sprach ihm da plötzlich jemand in den Rücken.
Abel auch nicht gut. Viel zu lang fül Haiku. Schwingt auch nicht lichtich!
Goethe schaute sich verdutzt um. Wer wagte da… Was? Ein Japaner?? – Auf dem Kickelhahn! Wie in aller Welt kam der hier…
Sie müssen mehl „E“s einstleuen. „Die Vögelein schweigen im Walde“: das hat viel mehl „smooth“ wie die Engländel sagen.
Goethe schaute wieder zurück auf die Hüttenwand, sprachlos.
Richtig, ging es ihm auf. Aber…
„im Walde“? Dann müsste ich ja in der nächsten Zeile auch „balde“…
Dichteliche Fleiheit!, sagte da der kleine Japaner, „balde“ ist natüllich Quatsch! Abel „Dichteliche Fleiheit!“ Sie sind doch Dichtel. Odel?
Perplex schaute Goethe wieder auf das Männlein. Was hatte der eigentlich für ein komisches Dings um den Hals hängen?
So, jetzt muss ich abel wiedel zu meinel Leisegluppe!
Sprach’s und verschwand, nicht ohne noch schnell drei, vier Aquarelle geschossen zu haben (wir befinden uns ja im 18. Jahrhundert!), aus der Hütte wie er gekommen war.
Tja, und so heißt es seither
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
Was höre ich da die Goethianer nölen? Unsinn? Alberner Humbug?
Soso!
Dann mögen sie doch einfach mal versuchen, die Situation 1780 auf dem Kickelhahn nachzuvollziehen, Goethe mit dem Japaner in der Jagdhütte, sich also vom „Google Übersetzer“ den Satz „Die Vögelein schweigen im Walde.“ ins Japanische übersetzen zu lassen:
森の中の鳥。
Und gleich wieder zurück ins Deutsche:
Vögel im Wald.
Kein Japaner hätte sich die Mühe gegeben helfend einzugreifen, sondern nachsichtig lächelnd innerlich abgewunken.
Nun aber ab ins Japanische mit „Die Vöglein schweigen im Wald.“:
鳥は森の中沈黙している。
Und was, meint der „Google Übersetzer“, heißt das auf Deutsch?
Die Vögelein schweigen im Walde.
証明されるようになったか


Ich kann nicht nur lesen, sondern auch schreiben. Zunächst vorwiegend Einkaufszettel, seit einigen Jahren aber immer häufiger auch Lieder und Lyrik, seltener Ungebundenes. Zwar hat es bisher erst ein einziges meiner Gedichte in einen zu Recht wenig beachteten Lyrikband geschafft. Aber ich muss ja auch nicht von so was leben. Als Gitarrist und scheues Rampenreh der Blues-Band U.S.E.D. kam ich, wenn ich mich recht erinnere, 1998 zum Vorlesen: während Blues-Frühschoppen in den Musikpausen. Anfang 2005 zog es mich zusätzlich zu den Kneipenlesern. Ende 2009 kam „