Wie flott geht alles doch vorbei!
Oft denk‘ ich mir, auweiauwei,
wo bleibt die Zeit sich zu verwurzeln?
Kaum, dass wir auf die Erde purzeln
und scheu das Licht der Welt erblicken,
heißt es ja fast schon Resteficken.
Dann hält man Dir die Urne auf,
Du rinnst hinein und Deckel drauf.
Und deshalb sei mein letzter Wille:
Wiedergeburt als Kaffeetülle.
Schlagwort: Gedicht
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Unterm Strich
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Der kuriose Büchervergleich
Heute: Heinz Erhardt
„Die Gedichte“ vs. „Das große Heinz Erhardt Buch“
Das rechte der beiden Bücher besitzt zwar kein Inhaltsverzeichnis. Das war aber egal, denn die Seite mit dem Gedicht „Das Blümchen“ war zufällig die erste, die ich aufgeschlagen hatte. Schön aber, dass das linke der beiden Bücher über ein Inhaltsverzeichnis verfügt. Das war beim Auffinden des Gedichts durchaus hilfreich.
Sowohl der Lappan Verlag als auch der Goldmann Verlag würdigen „Das Blümchen“ mit einer Fußnote. Kurios ist, wie sich beide ähneln. Aber egal, ob Erhardt es, wie von Lappan behauptet, mit 13 Jahren geschrieben oder, wie von Goldmann behauptet, mit sechs Jahren „geschrieben“ hat:
Ich hätte jetzt mal gerne gewusst, wann er es gedichtet hat.Achim, (der hier weder sein wahres noch sein angebliches „Alter“ verrät):-)
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Dreiphrasenhamster-dichtkram
Wein, Weib und Gesang
Der Gott fiel ab-so-lut nichts ein. –
So mehr aus Zufall schuf sie Wein.
Den schraubte sie sich erst mal reinund, einfach so, zum Zeitvertreib
erschuf sie leicht beschwipst das Weib
– mit wirklich wohlgeformtem Leib.Nun fehlte ihr nur noch Gesang,
worauf sogleich Sopran erklang.
Wie schön! Doch dann der Niedergang:Hätt‘ sie doch bloß gesagt: Vollbracht!
Doch nein: Gott hat den Mann erdacht,
den Mann, der ihr nun streitig macht,was ihr in ihrem Schöpferdrang
schon echt dreifaltig gut gelang:
Den Wein, das Weib und den Gesang. -
Dichtkram des Monats
Goethe sprach zu Frau von Stein,
Meine Hose klebt am Bein!
Nicht am rechten. Nicht am linken.
Lottchen, dort, am Mittelzinken!
Würdet Ihr, statt aufzustöhnen,
mir die Stelle trocken föhnen?Und so föhnte die Famose
(leise seufzend) Goethes Hose. -
Dichtkram des Monats
Popper sprach zu Wittgenstein:
Ein allgemeiner Satz soll als falsifiziert aus dem System vorläufig bestätigter wissenschaftlicher Sätze gestrichen werden, wenn ihm ein Beobachtungssatz besonderer Art widerspricht.Wittgenstein darauf zu Popper:
Ganz der alte Sprücheklopper! -
Dichtkram des Monats
EM 2000
Zum Jahre Null gäb ’s manches zu erwähnen,
im Vorfeld kam uns Schlimmes schon zu Ohren:
in allen Mannschaftsteilen ein Rumoren.
Das Fazit: ein Tor besser als die Dänen.Mit Gerhard Delling bei den Analysen
im Ganzen tolerabel: Günter Netzer.
Im Zweiten macht ein Kürten uns den Schwätzer.
Und Ribbeck drückt auf alle Tränendrüsen.Die Deutschen gehen unter wie die Briten.
Slovenien ist zum ersten Mal dabei,
genauso wie die Herrn aus der Türkei.
Doch später sieht man nur noch Favoriten.Neunstelliges muss man für Figo zahlen.
Herr Netzer kann sich zwar für ihn erwärmen,
doch bringt ein andrer diesen erst zum schwärmen
(Man sieht: wir nähern uns den Halbfinalen.):Den Knock-out setzt ein Zinedine Zidane
nach scharfen portugiesischen Protesten
bei Schieds- und Linienrichtern, den gestressten,
mit einer scharf gezirkelten Banane.Oranjes erster Elfer schwach geschossen,
beim zweiten Kluivert sauber an den Pfosten,
beim dritten, vierten Toldo auf dem Posten,
beim fünften Rijkaarts Untergang beschlossen.In Deutschland, klagt es aus der Sportbeilage,
ist das Finale nur noch Nebensache.
Im Sommerloch kommt anderes zur Sprache:
die wochenlange Bundestrainerfrage.Ganz eklatant war das Süd-Nord-Gefälle.
Doch davon vielleicht mehr an andrer Stelle. -
Dichtkram des Monats
Wie Eckermann einmal Goethe hülfreich zur Hand gehen zu müssen glaubte und dafür ganz unerwartheten Lohn empfing
Goethe fing zu meckern an:
„Mein lieber, guter Eckermann,
wie geht denn hier der Wecker an?
Da ist ja gar kein Stecker dran!“Drauf Eckermann zu Goethe:
„Mensch Goethe, biste blöthe?
Das Ding, das ist mechanisch.
Denn Strom, den gibt’s noch gar nisch!Du musst nur hier am Rädchen drehn,
lässt ihn dann dort am Bettchen stehn,
und just zur Mörgenröthe
schallt ’s hier aus dieser Tröthe!– bzw. Klingel! – Oder auch Schelle!“
Schallend war daraufhin die Backpfeife, die sich Eckermann ob seiner gänzlich unerwartheten und seinem Wesen eigentlich auch völlig fremden Besserwisserei einfing.
„Und? Was lernen wir daraus?“ grantelte der Dichterfürst, während sein Adlatus sich schuldbewusst die Wange rieb.
„Dass sich die Wange röthet, wenn Ihr mir eine löthet?“ stammelte Eckermann verunsichert.
„Das auch.“ brummte der Geheimrat schon etwas nachsichtiger, „Aber vor allem:
Hier darf nur einer, Goethe, dichten! Und Eckermann vielleicht berichten.
Haben wir uns verstanden?
Gut!“Und so berichtete Eckermann in „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“ dann auch ganz artig über dieses, jenes und solches. Nur eine peinliche kleine Anekdote hat er uns verständlicherweise vorenthalten wollen. Und wenn ich nicht zufällig im Nebenzimmer gelauscht hätte: Es wäre ihm sogar geglückt.
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Dichtkram des Monats
Besser, ich sage, was ich denke, wenn ich sehe, dass ich spreche,
als zu wissen, was ich, wenn ich denke, sehe, dass ich tu.
(Oswald Egger)Doch zu glauben, dass ich wüsste, wenn ich tue, was ich sage,
dass ich spreche, weil ich sehe, dass ich denke, wäre dumm.
Und zu tun, als ob ich dächte, wenn ich sehe, dass ich spreche,
wäre, wenn ich wüsste, was ich sage, dümmer als gedacht.
Deshalb denke ich, ich sehe, was ich sage, wenn ich spreche,
und ich schreibe, was ich tue, weil ich weiß, dass ich es seh‘.
Und das läuft darauf hinaus, dass ich tute, wenn ich blase,
wie ich blase, wenn ich tute: und das macht dann ganz viel Wind.
Doch es ist auch durchaus möglich, dass ich schlichtweg nicht verstehe, was ich immer wieder lese, immer noch und noch einmal. -
Dichtkram des Monats
Wenn beispielsweise Helgoland im Mittelmeer wär,
dann wär es Pi mal Daumen dort ein Drittel wärmer.
Zitronen würden dort dann in den Dünen blühn,
Smaragdeidechsen um den Roten Felsen ziehn.
Die Quallen müssten dann nicht mehr im Kalten glibbern,
die Krabben in den Klippennischen nicht mehr bibbern.
Der Helgoländer bräuchte nicht, um nicht zu frösteln,
den ganzen lieben langen Tag nur Fisch zu rösteln.
Er würde außerdem vielleicht Malteser heißen,
von seinem Kutter nicht mehr in die Nordsee scheißen
und, statt den ganzen Abend immer Grog zu trinken,
marsalaweinbenebelt in die Kissen sinken.
Die Butterschiffe aus Cuxhafen hätten ´s etwas weiter.
Wenn Helgoland im Mittelmeer wär, das wär echt gescheiter
als kurz vor dem Polarkreis, wo man sich den Arsch abfriert.
Ja, in der Nordsee ist die Insel reichlich deplaziert.
